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Im Bericht über die feierliche Einweihung der Synagoge am 24. Juli 1896 in der orthodoxen Zeitschrift DER ISRAELIT (10.8.1896) wird erfreut betont, dass die Dorfbewohner halfen den Ort zu schmücken und am Festumzug von der alten Betstube in die Synagoge teilnahmen. Bei der Einweihung amtierte der Rabbiner von Kreuznach, da die kleine jüdische Gemeinde Staudernheim mit damals etwa 10 Familien sich nie einen eigenen Rabbiner leisten konnte.

 

Wie in allen Synagogen befindet sich in der Ostwand die Nische für den Toraschrein. Hier wurde die Tora aufbewahrt, das heißt Pergamentrollen, beschrieben mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Mose. Beim orthodoxen Gottesdienst, zu dem immer mindestens zehn Männer anwesend sein müssen, wird die Tora geöffnet, und ausgewählte Beter tragen den Wochenabschnitt vor. Da die Gemeinde durch Abwanderung schon vor 1933 zu klein geworden war für einen eigenen Gottesdienst, befanden sich die heiligen Torarollen während des Pogroms 1938 nicht mehr in der Synagoge. Ihr Verbleib ist ungeklärt.

 

Ostwand mit Toranische vor der Restaurierung, Foto: Michael Bürger

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Das Gebäude trägt an seiner Außenwand zwei hebräische Inschriften. Über dem Portal ist eingemeißelt: “Hier ist die Pforte zum Ewigen. Gerechte ziehen durch sie ein“ (Psalm 118,20). Der Giebel zeigt die Inschrift: “Wie heilig ist diese Stätte. Hier ist Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels“ (1. Mose 28,17). Fragmente der ursprünglichen Bemalung in der Synagoge sind noch an der Ostwand und an der Westwand links vom Eingang erkennbar.

 

Aus der Zeit der Nutzung als Wehrmachtskasino stammen zwei Parolen an der Ostwand neben der Toranische. Es sind Zitate aus Schillers Drama „Wallensteins Lager“, 11. Auftritt: „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein“ (links). „Und trifft es uns morgen, so lasset uns heut noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit“ (rechts). Diese Inschriften wurden bei der Restaurierung entsprechend dem Konzept nicht entfernt, sondern gesichert und erhalten.